Die nächsten Wochen...
10.09.-12.09.2010 00:00 Uhr
30. Inselsternfahrt... [mehr]
10.09.2010 19:00 Uhr
Kameradschaftsabend... [mehr]
11.09.2010 19:00 Uhr
Festveranstaltung mit Siegerehrung... [mehr]
12.09.2010 10:00 Uhr
Frühschoppen... [mehr]
17.09.-19.09.2010 00:00 Uhr
45. Wanderrudertreffen 2010 in Kleve... [mehr]
25.09.2010 07:00 Uhr
Clubwandertag... [mehr]
25.09.2010 10:00 Uhr
Arbeitsdienst 3 (Haus & Hof)... [mehr]
01.10.2010 19:30 Uhr
Clubabend... [mehr]
09.10.2010 15:00 Uhr
Abfahren/Absegeln... [mehr]
24.10.2010 00:00 Uhr
Abrudern... [mehr]
25.10.2010 19:00 Uhr
Beginn des Hallensports... [mehr]
30.10.2010 07:00 Uhr
Auskranen... [mehr]
05.11.2010 19:30 Uhr
Clubabend... [mehr]

Jawohl, auf dem Rhein kann man Segeln!

Ungläubiges Staunen, nicht nur von "Landratten", sondern von Küstenbewohnern mit angeblich tausenden Seemeilen Bootserfahrung. Nachsatz: "Wenn Wind ist!" - eine Binsenweisheit, für den Rhein jedoch bei einer Stromgeschwindigkeit von 1,5 - 4,5 km/h und den zugebauten Ufern (Der Rp. Dr. Warsch hatte nach dem Krieg den "Pappel - Tick") ist an vielen Stromabschnitten Windmangel das Problem. Da sind die Segler im Tidenrevier mit wechselnden Stromrichtungen besser dran. Ein weiteres Problem für den Rheinsegler ist der ständig zunehmende Berufsverkehr; man muss höllisch aufpassen! Und trotzdem, es sei noch einmal gesagt, der Rhein ist zwar ein schwieriges, dafür aber ein abwechslungsreiches Segel - und Motorbootrevier! Gott Dank, das die Herren Diesel und Otto die "Unterwassergenua" erfunden haben, wenn auch für manche Segelkameraden das Verhältnis zu Motoren mehr als getrübt erscheint. Haben Sie den reichen Schatz an Schimpfwörtern unseres Segelkameraden H. nach dem hundertsten vergeblichen Versuch den Outborder mit dem Seil zu starten angesichts des herannahenden Schubverbandes etwa vergessen.

Es geht aufwärts, (keine politische Aussage) zu Berg; wenn auch mühsam mit unseren kleinen Verdrängerbooten mit einer Fahrt über Grund von 5 - 10 km/h (auf dem Rhein wird mit Kilometern gerechnet). Vom IJsselmeer bis Porz zählt man genau 323 Stromkilometer. Nun rechnet mal! - Unsere Motorbootfreunde können Gleitfahrten viel schneller. Leider haben große Motoren großen Durst.

Übrigens, das Verhältnis zwischen Segler - Individualisten und mehr gesellig agierenden Motorbootfahrern erscheint öfters getrübt, was meist mit Vorurteilen zu tun hat. Diese lassen sich am besten durch gemeinsames Club - und Hafenleben ausräumen. Dort ist man unter gleichwertigen Partnern und es zählt letztlich die Persönlichkeit unabhängig von der zufälligen Bootsgattung, in der man Sport treibt.

Werden wir konkret: Es ist der Hafen bei Rheinstromkilometer 677,2 auf der rechten Rheinseite, Sitz des Clubs für Wassersport Porz e.V. 1926 (CfWP).Vom hohen Ufer grüßt mit Flaggenmast ein prächtiges bewirtschaftetes Clubhaus, in vielen Arbeitsstunden der Clubmitglieder beider Abteilungen modernen Bedürfnissen angepasst. Hier haben die RUDERER und SEMOS (Segel-motorboot) ihre sportliche Heimat. Der Clubhafen, ein mit Spundwänden und Formsteinen gesichertes Rondell, spöttisch schon einmal als "Salatschüssel" bezeichnet, wurde Anfang der 70er Jahre in den Ausgang des alten Zündorfer Rheinarms gebaut. Die malerischen Fachwerkhäuser des alten Bergischen Zollhafens laden zum Verweilen ein. Um die langgestreckten Weiher der Groov kann man längs des Rheinstroms unter riesigen Pappeln (s.o.) allen Ambitionen frönen. Das Zündorfer Schwimmbad und die Rheinfähre nach Weiß erweitern ganzjährig das Freizeitangebot. In dieser lieblichen Auenlandschaft ist unser Hafen beinahe ein Fremdkörper und nur von Interesse für Passanten, wenn die Boote an den Stegen im Neerstrom schaukeln und die Yachties bei ihrem Treiben zu beobachten sind. Da herrscht reges Hafenleben: es wird geputzt, gezimmert, lackiert, es werden Schiffe ferienklar gemacht. Unglaublich, wie viele Lagen Bier, Kisten und Kaste in einem kleinen Boot verschwinden. Die Wasserpässe versinken. Eintauchtiefen werden nicht mehr nach "Plimsoll" bezeichnet, heute heißt es: 1 Aldi, 2 Aldi, ... . Und dann die Feste und Bootstaufen! - Kölsche Kommentare: "Auweia, do kütt et dritte Fass Kölsch! Glich litt hör im Bach. Lur ens do. Do kütt der Dick mit de Quetsch!"

Interessanter kann es auch im Zoo vor der Affeninsel nicht sein.

Die Steganlage des CfWP wurde von den Bootseignern mit viel Idealismus einer Unzahl von Arbeitsstunden und finanziellen Opfern seit Anfang der 70er Jahre gebaut und genutzt. Aus 25 Jahren SEMO- Leben - aus sicht eines Seglers - ist zu berichten:
Die Bootsgröße im Hafen, durch Satzung auf 10 m beschränkt, entsprach mit 4-7 m Länge den Geldbeuteln der Gründer. Mit der Zeit sind beide gewachsen. Die Umgangssprache war und ist auch heute noch die heimische Mundart: Kölsch. Das Spektrum der Yachties ist bunter geworden. Neben Kölner Altbürgern haben auch Wassersportfreunde fremder Herkunft Zugang zum Club gefunden. Frauen als Eigner sind leider immer noch unterrepräsentiert.

Anfangs der sportlichen Entwicklung wollten die "Kapitäne" auf eigenem Kiel nichts anderes als Segeln - Segeln zwischen Rodenkirchen und Godorf rheinauf - rheinab. Nur an Wochenenden die Ausnahme: zu Berg in die Rheidter Laach oder nach Mondorf. Auch der Urlaub wurde meistens im eigenen Revier verbracht. Der Aktionsradius der Motorbootfreunde war sicherlich weiter.

Sämtliche Lappen (Segel) werden hinter der Mole gesetzt. "Bergwind" treibt Boote stromauf. (Er kommt aus dem "Tal" und müsste nach den Regeln der Meteorologie eigentlich "Talwind" heißen! Lassen wir den Rheinskippern ihre kleinen Eigenarten!) - Spezialisten segeln den Neerstrom zwischen den Kribben aus; oft endet das Vergnügen abrupt auf einer Sandbank. Es fehlt halt die gewünschte "Handbreit - Wasser - unter - dem - Kiel".

Höhepunkte im Clubleben waren und sind ANFAHREN und ABFAHREN zu Anfang und Ende der Wassersportsaison. Als sportliche Ereignisse werden Clubregatten und Geschwaderfahrten geschätzt, verbunden mit Übernachtungen mit Nahrhaftem und Flüssigem im Sportboothafen Mondorf. Am nächsten Tag sah man dann eine fröhliche Schar von Trunkenbolden im Regatta - Kleinformat rheinabwärts nach Porz segeln, in Begleitung der CfWP - Motorboote, alle zufrieden und glücklich, nicht nur weil in jenen Zeiten sich die "Waschpo" noch wenig um gewisse Alkoholspiegel kümmerte. Trotz allem, es ging sportlich und fair zu.

Die Rheinwoche zu Pfingsten beschert den westdeutschen Seglern das größte Sportereignis des Jahres. Die besten Segler werden auf langer Distanz von Koblenz bis Emmerich an drei Tagen ermittelt. Über 100 Boote nehmen an den Wettfahrten teil. Oft waren auf den Siegerlisten auch die Namen Porzer Segler zu finden. Fast jedes Jahr war und ist der CfWP an der Ausrichtung der Rheinwoche maßgeblich beteiligt, was sicher nicht möglich wäre ohne das Engagement unserer Motorboot - Kameraden. Ihnen gebührt der Dank!

Unsere Motorbootfahrer gestalten jährlich die STERNFAHRT PORZ: um die 50 Motorboote mit Ihren Besatzungen bemühen sich um die ausgelobten Preise für die längste Anfahrt, die meisten Schleusen etc. Abends wird gefeiert; beliebt sind die Porzer "Grottenfeste".

Fahren wir fort mit der Geschichte:

Als mit der Zeit die Boote deren Qualität größer geworden waren, wuchs auch die Sehnsucht nach fremden Gestaden. Die Binnensegler lockte die See. Um dort zu segeln oder zu motoren reichten die "Binnen-Bootsführerscheine" nicht. Wie gelangte man an die notwendigen amtlichen (und sachlichen) Qualifikationen? - Satzungsgemäß obliegt dem Club die Aufgabe der Aus- und Fortbildung der Mitglieder. Ein personell schwierig zu lösendes Problem! Anfang der 70er Jahre war in Köln auf dem Rhein eine gewerbliche Segel- und Motorbootschule gegründet worden, bald in Theorie und Praxis gut renommiert. Viele SEMOS haben dort Können und Wissen erworben kamen in den Besitz der gewünschten Scheine.

Eine Kooperation von Club und Schule hätte nahe gelegen. Doch aus damaliger Sicht war das Verhältnis belastet: dort gewerbliche Tätigkeit hier ehrenamtliche Leistungen. Oft flogen die Fetzen; im Endergebnis folgte die Einsicht mit pragmatischen Lösungen. Club und Schule konnten miteinander auskommen. Der Club war Nutznießer von preiswerten und erfolgversprechenden Kursen, darüber hinaus vermittelte die Schule neue Clubmitglieder. Die Schule konnte (gegen Entgeld) die Clubanlagen zum Unterricht nutzen und Interessenten finden. Bald wurden auch qualifizierte SEMOs als Segellehrer tätig.

Das neue nautische Wissen musste genutzt werden. Zusammen mit der Schule wurden Charterfahrten organisiert. In Oster- und Herbstferien sah man dann die Porzer (übrigens nicht nur Segler) auf dem IJsselmeer, der Wattensee, Nord- und Ostsee. Es folgten Mittelmeer-Segeltörns von Marseille nach Korsika, rund Mallorca und über die Ägäis. Die Freunde aus dieser Zeit segeln noch heute zusammen. Leider reicht hier der Platz nicht, um von allen aufregenden Erlebnissen zu berichten. - Seit Anfang der 80er Jahre weht die Flagge des CfWP auf seetüchtigen Eignerbooten an vielen Küsten und Meeren.

Fernziele der Urlaubsfahrten wurden: Helgoland, Bergen, Stavanger, Oslo, Hall und London. An Ostsee und Kattegatt: Kopenhagen, Klintholm auf Mön, Anholt, Läsö, Bornholm, Stockholm, Mariahamn, Helsinki, Reval und Riga. Weite Reisen unternehmen unsere Motorbootfahrer über europäische Flüsse und Kanäle auch über offene See. Ein Clubkamerad überquerte einhand auf eigenem Kiel den Atlantik, die Rückreise war ihm leider nach Verlust des Schiffes nur mit dem Flieger vergönnt.

Die Palette der Erlebnisse im Hafen ist bunt. Hilflos mussten schwere Schicksalsschläge hingenommen werden: tödliche Unfälle, zwei Kameraden ereilte der Tod bei der Ausübung des Wassersports.

Glück im Unglück hatte ein Segelfreund, dessen neue "Monsun" nach der Bootstaufe klammheimlich nachts über ein fehlendes Lenzrohr "abgesoffen" war. Gemeinsam gelang es den Jungs, ohne kommerzielle Hilfe den Havaristen zu heben. Eine tolle Gemeinschaftsleistung!
Die Liste der Hafenkuriositäten ist umfangreich: der absolute Höhepunkt war der fast gelungene Versuch eines Berufsschiffers mit seinem 80m langen Schiff im Hafen anzulegen. Auf der Strecke blieben ein großer Dalben, zwei beschädigte Motorboote und vier Steghalterungen. Glück muss man haben!

Einmalig war nicht nur in der Hafen- und Clubgeschichte, sondern auch in der Kölner Geschichte die Mitgliedschaft einer zweifachen JUNGFRAU im Kölner Dreigestirn. Leider ist unser Dieter Salchert viel zu früh von uns gegangen. Auch hier kann leider nicht aller bemerkenswerten Hafenereignisse gedacht werden.

Der Platz muss jedoch reichen für ein herzliches "Dankeschön" an alle Mitstreiter im CfWP, die durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit uns allen 25 glückliche Jahre im Porzer Hafen ermöglichten. Ohne Namen zu nennen, sei gedacht den Planern und Organisatoren, den beteiligten Vorständen, sicher den Hafenmeistern, auch für ihr Verständnis mit Hitzköpfen und Nixnutzen. Wir danken aber auch unseren Frauen und Freundinnen, die mit großherzigem Verstehen und Dulden uns Männern ihr Spielzeug ließen.

 

Und jetzt wird gefiert!!

Shanty kütt mit der Schrumm...

Quegges, hol die Quetsch...

Rolf "Quägges" Quodbach