| Die nächsten Wochen... |
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| 22.02.2012 19:30 Uhr Fischessen im Club (Gastronomie)... [mehr] |
| 27.02.-13.03.2012 00:00 Uhr BETRIEBSFERIEN der Gastronomie... [mehr] |
| 02.03.2012 19:30 Uhr Clubabend... [mehr] |
| 09.03.2012 18:00 Uhr Mitgliederversammlung Jugend... [mehr] |
| 09.03.2012 08:00 Uhr Mitgliederversammlung Jugend... [mehr] |
| 09.03.2012 20:00 Uhr Mitgliederversammlung Semo... [mehr] |
| 16.03.2012 20:00 Uhr Mitgliederversammlung Rudern... [mehr] |
| 23.03.2012 20:00 Uhr ACHTUNG TERMINVERSCHIEBUNG: Ruder-Mitgliederversammlung... [mehr] |
| 30.03.2012 20:00 Uhr ACHTUNG TERMINVERSCHIEBUNG: Semo-Mitgliederversammlung... [mehr] |
| 31.03.2012 07:00 Uhr Einkranen... [mehr] |
| 15.04.2012 09:00 Uhr Anrudern... [mehr] |
| 18.04.2012 17:30 Uhr Schnupperkurs Rudern... [mehr] |
| 20.04.2012 20:00 Uhr Jahreshauptversammlung... [mehr] |
| 21.04.2012 10:00 Uhr Arbeitsdienst 1 (Haus & Hof)... [mehr] |
Bericht vom Praxistraining Navigation der Kreuzerabteilung
Dieses Training wird schon über 25 Jahre angeboten. Kapitän G. Kullack hat es damals ins Leben gerufen und leitet es auch nach seiner Pensionierung heute noch. Es ist also eine traditionsreiche Veranstaltung.
Die Praxis der Navigation hat sich in dieser Zeit sehr geändert. Aber gerade deshalb liegt der Schwerpunkt immer noch auf der terrestrischen Navigation, denn diese ist beim Ausfall der modernen Geräte die einzige Hilfe. Gleichzeitig wird aber auf die Bedeutung, Vor- und Nachteile von Plotter, Radar und AIS sehr eingegangen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist das „Zusammenleben“ von Groß- und Sportschifffahrt.
Heute wird das Training auf der Crown of Skandinavia (demnächst Crown Seaways), einer Autofähre, durchgeführt. Sie bedient die Strecke Kopenhagen - Oslo und hat Platz für 2026 Passagiere sowie über 400 PKW. Das Schiff besitzt 4 Hauptmaschinen, die über Getriebe zwei Verstellpropeller antreiben. Dazu gibt es über 12 Hilfsagregate. Bei Marschfahrt sind normalerweise nur zwei Motoren im Einsatz. Bei Bedarf können aber alle 4 Motoren das Schiff antreiben. Dadurch das die Kraft mit Verstellpropellern ins Wasser gebracht wird, hat die Crown of Skandinavia einen Stoppweg von nur 700 Metern. Sie kann fast auf der Stelle drehen.
Wir schifften uns am Freitag den 18.03.11 schon um 14:45 Uhr ein und trafen die anderen Teilnehmer in einem Seminarraum. Nach einer gegenseitigen Vorstellung wurden 2 Wachen eingeteilt. Die 1. Wache war beim Ablegen in Kopenhagen und beim Anlegen in Oslo auf der Brücke. Die 2. Wache dann entsprechend beim Ablegen in Oslo und Anlegen in Kopenhagen. Ich war der 2. Wache zugeteilt. Die Brückenzeit war einmal von 0030 Uhr bis 0300 und am Sonntag von 0130 bis 0400. Die Zeit vom Anlegen bis zum Ablegen in Oslo war der Stadt vorbehalten. Wir hatten zwar immer die späte Wache aber dafür unterschiedliche Streckenabschnitte. Gegessen wurde gemeinsam, d.h. wir trafen uns morgens um 0655 vor dem jeweiligen Restaurant und abends um 2015 Uhr. Nach diesen Vorbereitungen besichtigten wir gemeinsam die Brücke. Hierbei und beim Ab- und Anlegen war Corinna mit dabei. Sie hatte sich nur von den Wachen freigehalten.
Am Freitag war ich pünktlich um 0025 auf Deck 10 am vereinbarten Platz. Der Zugang zu den Mannschaftsräumen ist durch ein Zahlenschloss gesichert sowie zusätzlich nochmals der Zugang zur Brücke. Wir wurden immer abgeholt. Übrigens werden alle Gespräche auf der Brücke aufgezeichnet, sodass im Falle eines Unfalls das Handeln und Verhalten der Verantwortlichen rekonstruiert werden kann. Das ist wohl auf einem alten ausgeflaggten Frachter nicht unbedingt so.
Wir mussten uns erst einmal an die Dunkelheit gewöhnen. Dann beobachteten wir den Horizont, um Leuchtfeuer auszumachen, erfassten die Kennung und suchten die Feuer auf der Karte. Wir waren auf der Höhe von Göteborg. Die Leuchttürme sind so verteilt, dass man fast immer 2 gleichzeitig sehen kann. Wir machten also eine Kreuzpeilung und ermittelten so unseren Ort, legten unseren augenblicklichen Kurs an und trugen darauf die ungefähren Standorte der nächsten 3 Stunden im 30 Minutentakt ein. Das erleichterte dann die Kartenarbeit sehr. Alle Peilungen wurde mit Uhrzeit und Datum in ein Buch eingetragen. So kann man die ganzen Reisen rekonstruieren. Zwischendurch beobachteten wir den Radarschirm sowie die AIS-Symbole. Vor Göteborg kreuzten wenige Schiffe unseren Kurs. Die zwei Wachhabenden Profis hatten keine Hektik. Sie müssen nur die vorprogrammierten Kursänderungen nach einem Alarm freigeben, ansonsten fährt der Autopilot von Wegpunkt zu Wegpunkt. An- und Ablegen sowie Ausweichmanöver werden von Hand gefahren, alles sonst macht „Gustaf“. Kapitän Kullack erzählte uns, dass auf den Schiffen der Color Line ein Rudergänger die ganze Strecke steuert. Unserer griff nur bei Ausweichmanövern zum Rad. In meinen Wachen kam es aber nur einmal zu einer Kursabsprache über Funk. Ab 0300 Uhr führt ein der Kurs weiter von Land weg, sodass es schwierig wird, den Standort mittels Peilungen zu finden. Deshalb endete hier auch die Wache und wir konnten noch 3,5 Stunden schlafen. Um 0700 Uhr trafen wir uns zum Frühstück auf Deck 8, wo wir auch schon zu Abend gegessen hatten.
Beim Aufstehen hatten wir schon Verdens End passiert, d.h. wir waren im Oslofjord. Corinna entdeckte die ersten Eisschollen. Das Land war schneebedeckt, der Himmel hellblau und die Sonne schien. Das Frühstücksbuffet könnte auch ein Mittagsbuffet sein, jedenfalls ist es unmöglich hungrig den Raum zu verlassen.
Je weiter wir in den Fjord kamen um so dichter wurde das Treibeis ab Drobak hatten wir dann eine geschlossene Packeisfläche. Im Restaurant hörte man es donnern, wenn sich unser Schiff den Weg durch dickere Platten bahnte.
Kapitän Kullack erzählte, dass die Crown bis 60 cm alleine schafft, wird das Eis dicker, braucht sie Eisbrecherunterstützung. Zu unserer Verwunderung waren in den Yachthäfen fast alle Plätze belegt. Die Norweger lassen ihre Schiffe einfach einfrieren. Ich weiß von unserer damaligen Tour nach Oslo, dass im königlichen Yachtclub viele Liegeplätze mit Pressluftanlagen für den Winter ausgerüstet waren. Vom Schiff aus war aber keine eisfreie Zone um die Schiffe zu erkennen. Von weiten sieht man schon die neue Sprungschanze auf dem Holmenkollen. Der alte Weiße Turm fiel mehr auf, aber die ganze Anlage ist größer geworden.
Wir behielten unsere Kabinen und konnten so gemütlich die Stadt erkunden. Um 1600 Uhr hatten wir uns wieder verabredet. Wir waren aber schon viel früher zurück. Wenn man mit dem Bus die Musen von Fram, Kontki und Wikingern besuchen will, braucht man die Zeit natürlich. Im Sommer kommt man schnell mit der Fähre vom Rathaus aus dorthin jetzt aber ging es nur mit dem Bus, weil die kleinen Personenfähren wohl nicht durch das Eis kommen. Die Preise in Norwegen haben es in sich. Ein Einkaufsbummel ist mit Vorsicht zu genießen. Wir genossen aber wie die Norweger das schöne Wetter, allerdings mit dicker Jacke und nicht nur im T-Shirt. Alle die konnten saßen draußen in der Sonne. Die Restaurants an der Akker Brücke hatten alle die Außengastronomie geöffnet und gleich davor lagen die Yachten fest eingefroren im Eis. Auf manchen waren sogar Leute zu sehen. Manche schienen bewohnt. Vor der neuen Oper spazierten die Menschen weit hinaus aufs Eis. Ein ungewohntes Bild für uns, die vielen Passanten in Sommersachen in der ansonsten gefrorenen Landschaft. Im Schatten musste man auspassen nicht auf Glatteis auszurutschen.
Pünktlich um 1700Uhr legten wir ab. Diesmal hatten wir das Vergnügen mit auf der Brücke zu sein. Es ist schon spannend zu sehen wie der Koloss mit ein paar Joystikbewegungen von der Pier wegbewegt, gedreht und zum ersten Wegpunkt dirigiert wird. Der Autopilot war dann gleich wieder am Ruder. Der Kapitän blieb aber bis Drobak auf seinem Platz am Steuerstand um eingreifen zu können, denn wir hatten eine geschlossene Eisdecke vor uns und im engen Fahrwasser gab es auch Gegenkommer.
Danach trafen wir uns im Seminarraum und vertieften das Erlebte. Die Sichtbarkeit von Sportbooten bei Nacht war dann ein besonderer Schwerpunkt. Besonders geriet die Dreifarbenlaterne im Top in den Mittelpunkt der Kritik. Auch die Kollision einer Segeljacht mit einer Fähre bei Puttgarden wurde genau untersucht. Die Yacht hatte nur dieses besagte Positionslicht gesetzt. Die Radarbilder der Fähre dienten als Grundlage. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden bestimmt in das eigene Verhalten eingehen. Das bei dem Unfall keine Menschenleben zu beklagen waren, war pures Glück.
Am Abend war ein Tisch für uns reserviert. Bei angeregter Unterhaltung und einem guten Menu saßen wir fast bis zur ersten Wache zusammen. Ich war wieder in der zweiten Wache und musste erst um 0130 Uhr wieder auf Deck 10 erscheinen. Die Wachen wurden nicht gewechselt, weil so jeder die ganze interessante Strecke beobachten kann. Ein paar Stunden Schlaf bekam ich aber so auch. Kapitän Kullack hatte es schlechter, denn er war ja bei beiden Wachen dabei.
Als wir dann um 0130 auf der Brücke uns umsahen, waren wir in der Höhe von Göteborg. Dort hatten wir auf dem Hinweg übernommen. Jetzt fuhren wir die selbe Strecke, wie Corinna und ich im letzten Sommer, nur etwas schneller und weiter draußen. So ließen wir den LT Niedingen damals an Steuerbord und jetzt peilten wir ihn an Backbord. In dieser Nacht machten wir ca alle 10 Minuten einen Ort durch Seitenpeilungen oder Radarpeilungen und Abstandsmessungen. Um 0400 geht der Kurs weiter auf See sodass wir uns beruhigt noch etwas ausruhen konnten. Um 0700 war ja schon wieder das Frühstück angesetzt und dann verfolgte unsere Wache das Anlegemanöver in Kopenhagen von der Brücke aus. Der Kapitän fuhr es wieder selbst und erklärte uns, dass es mit den neuen Propellern sich ganz anders führe. Er war entsprechend konzentriert. Der Wirkungsgrad, sagte er, habe sich um gut 10% verbessert, d.h. den Treibstoffverbrauch entsprechend gesenkt.
Um 1000 Uhr fuhren wir dann mit dem kostenlosen Bus bis zu Kongens Nytorf und von da mit der Metro zum Fughafen. Dort gaben wir den Koffer ab um wieder in die Stadt zurück zu fahren. Wir flogen ja erst um 1730 Uhr.
Die Reise hat sich aus unserer Sicht in jeder Hinsicht gelohnt, zum einen des Seminars und der Erfahrungen des Nachts auf der Brücke und zum anderen der beiden Städte wegen. Wir waren ja schon am Donnerstag Abend in Kopenhagen eingetroffen und hatten so den Freitag bis um 1445 für die Stadt. Am Sonntag haben um diese Jahreszeit nur wenige Geschäfte geöffnet. Zugegebener Maßen hatten wir viel Glück mit dem Wetter. Navigatorisch sollte jeder Skipper einmal die See von dieser Stelle aus betrachtet haben, um sich besser in seine potentiellen Kollisionsgegner hineinversetzen zu können. Denn nur so kann man das Verhalten des Anderen halbwegs richtig vorherahnen und sich verantwortungsvoll verhalten.
Marcus Schueler
