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09.03.2012 20:00 Uhr
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2. bis 9. September 2002

Fisa-Tour in Canada, Ottawa

Kanada ist mit seinen 10 Provinzen und 3 Territorien das zweitgrösste Land der Erde und dünn besiedelt. Die meisten Einwohner leben in der Nähe der Grenze zu USA, an Verbindungsstrassen oder auch da, wo sich Bodenschätze befinden. Der Westen hat sich spät bevölkert, hauptsächlich durch den Goldrausch, Pelz- und Holzhandel.

Zwei deutsche Auswanderer und Ruderkameraden - Ernst Peters und Peter Oken - haben sich vor 25 Jahren in Toronto niedergelassen. Sie haben die Gegend für Rudertouren erkundet und entdeckt. Nach mehreren Fahrten auf dem Rideau Kanal mit kanadischen RuderInnen und Gästen wurde nun eine Woche für die FISA vorbereitet.

Aus vielen Ländern kamen Ruderinnen und Ruderer am 2.9. nach Ottawa, um gemeinsam eine Woche im Ruderboot zu verbringen. Man soll gut trainiert sein, d.h. in diesem Jahr bereits 500 km geruderte in den Muskeln haben, man soll bereit sein, 50 km an einem Tag zu rudern in Doppel- und Riemenbooten, man muss steuern können und wollen, das Alter der Teilnehmer soll nicht biblisch sein. Die einen sind noch fit mit 80, andere sind schon "lahm" mit 50. Die meisten unter uns kommen nicht zum ersten Mal auf eine FISA-Tour. Man kennt sich schon, die Begrüssung ist fröhlich und laut, und man freut sich, dabei sein zu können. Das Interesse für dieses Jahr war besonders gross. 80 RuderInnen aus 14 Nationen, von Australia bis Turkey, nahmen teil. Man traf sich am ersten Abend im Ottawa Rowing Club. Ruderer haben Durst, das Bier ging aus. Später auf der Tour war aber nach getaner "Arbeit" immer genügend vorhanden!

Am nächsten Morgen war die Eröffnungsfeier mitten in Ottawa, der Hauptstadt Kanadas. Die Begrüssung der Regierungsvertreter erfolgte auf kanadisch-französisch und auf englisch. Auch ein Vorstandsmitglied der FISA wünschte uns alles Gute. Der Rideau-Kanal wurde 1826-1832 von den Kanadiern zu Kriegszwecken erbaut. Der Kanal verbindet den Ontariosee mit Ottawa und sollte als Umfahrung dienen, falls der St. Lawrence-Strom wegen kriegerischer Auseinandersetzungen gesperrt würde. Auf der ganzen Strecke gibt es 47 Schleusen, einige davon haben Mehrfachkammern. Alle Schleusen werden von Hand betrieben. Diese Unterbrechungen waren bei den RuderInnen stets eine willkommene Ruhepause, wenn diese Wartezeiten nicht länger als eine Stunde dauerten. Wir ruderten in 16 gesteuerten Doppelvierern, 15 davon wurden von der Bootsbau-Firma Hudson in Kanada, gebaut. Ein Vierer war ein geklinkertes "Erbstück" aus Deutschland. Der Rideau-Kanal sah kaum nach Kanal aus, nein er ist eher wie ein Fluss mit vielen Windungen und miteinander verbundenen Seen. In der Tat wurde das grosse Seengebiet zwischen Ottawa und Kingston auf diese Art schiffbar gemacht und vor allem punkto Wasserstand durch Schleusen geregelt. Auf- und absteigend werden 50 bzw. 83 m Höhenunterschied überwunden. Die Distanz zwischen Ottawa und Kingston beträgt 202 km. Da einige grössere Seen zu windanfällig für die Ruderei gewesen wären, liess man die Risikostrecke aus und verlud die Boote. Der Umgang mit Schleusen war für Viele neu. Es dauerte lange, bis die ersten 8 Boote im Becken waren, denn alle 16 Boote hätten keinen Platz gehabt. Doch gegen Ende der Fahrt passten sogar14 Boote in eine der Schleusen, welche immer dieselbe Grösse hatten. Es brauchte gute Steuerleute und manchmal war es nicht einfach, eine gemeinsame Sprache zu finden. Englisch überwog. Wenn jeder mitmachte, gelangen die Manöver immer besser. Es gab gottlob keine Zwischenfälle, niemand kenterte. Nur ein Schleusenwärter übte seine Macht als "Torwärter" aus. Seine Einrichtung hatte 4 Kammern und es dauerte geschlagene 4 Std. bis alle Boote geschleust waren.

Das Wetter war während der ganzen Woche sonnig bis heiss. Die Picnics wurden meistens am Ausgang nach den Schleusen eingenommen. Hier gab es Bänke, Tische, Toiletten. Es sind kleine, parkähnliche Anlagen, ideal für so viele Menschen. Von den vielen kanadischen HelferInnen wurden wir aufs beste betreut. Jeden Tag ruderte man in einem anderen Boot mit einer neuen Mannschaft. So vermischten sich die RuderInnen bestens. Jedes Boot hatte seinen Captain, der die Verantwortung für sein Boot hatte und immer in diesem Boot blieb. Aus Sicherheitsgründen begleiteten uns drei Motorboote. Untergebracht waren wir in komfortablen Hotels, einmal während 3 Nächten in der Nähe von Ottawa, dann 5 Nächte etwas aussherhalb von Kingston. In Bussen wurden wir jeweils zwischen Booten und Uebernachtungsquartieren hin- und hergefahren. Am ruderfreien Tag besuchten wir ein Freilicht-Museum, Upper Canada. Es ist vergleichbar mit unserem Ballenberg. Einen Abend verbrachten wir in einem Gebiet der First Nation People (Ureinwohner). Sie kochten und tanzten für uns und lasen ihre Ideen und Vorstellungen über den Frieden vor, von denen wir sehr beeindruckt waren.

Die Uferlandschaft wurde nach dem Verlassen der Stadt täglich ländlicher und war sehr abwechslungsreich. Grössere Seen hatten Inseln oder schmale Stellen mit Windungen. Die Gegend erinnerte oft an Finland. Teilweise sind die Ufer bewohnt, doch sind sie nicht übervölkert. Die Woche verging in Windeseile. Am Abschiedsabend waren wir in der Festung von Kingston, gleichfalls für Kriegszwecke erbaut. Ein Krieg hat jedoch gottlob nie stattgefunden.

Die Vertreter von jedem Teilnehmerland übergaben den Organisatoren und deren Helfern ein kleines Präsent begleitet von Dankesworten, Liedern oder Aufführungen. Dann wurde die FISA-Tour 2003 vom englischen Paar Caroline und John Turnbull vorgestellt. Nächstes Jahr wird vom 30.8. - 7.9.2003 auf der Themse gerudert (http://weyfarers.rowing.org.uk).

Bericht erstellt von Annette Bauer Hahn (Damenruderclub Zürich und CfWP) und Fritz Hahn (CfWP)