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Herbsttörn 2005 - Türkei

In alter Tradition organisierte der CfWP wieder seinen Herbstchartertörn. Wie in den Jahren davor hatten wir drei Schiffe bei Mooring gemietet. Zwei Mooring 505 und eine 494. Auch in diesem Jahr mußten wir wieder mit einem unverschuldeten Schaden fertig werden. Insofern sind wir uns also treu geblieben. Auch unser Neuer in der Gruppe war gleich auf diesem Schiff.

Als Ausgangshafen hatten wir uns Göcek bei Fethiye ausgesucht. Dieses Revier in der Türkei ist wirklich eine Reise wert. Ich hoffe, der weitere Bericht und die Bilder werden das untermauern.- Insgesamt waren wir 16 Mann. Der Flug nach Dalaman dauert um die 3 Stunden. Wir starteten um 06.00 Uhr und waren um 10.25 Uhr dort. Göcek liegt ca. 25 km vom Flughafen entfernt, also auch nicht allzu weit. Nur die Passstraße dorthin ist schon teilweise atemberaubend. Nächstes Jahr ist aber ein Tunnel fertig und die tollen Ausblicke gehören der Vergangenheit an. Die Marina, Port Göcek, ist von der Anlage her eine Augenweide. Allein schon die Blumenbepflanzung ist sehenswert. Die "Marmorsäle" - sprich Sanitäranlagen - auch, denn sie sind tatsächlich aus Marmor. Und wer hat schon mit Vivaldi und mit Mozart geduscht. Es kann auch umgekehrt gewesen sein.

Aber jetzt zur Reise...

Aber jetzt zur Reise: Am Montag verholten wir uns am Nachmittag noch in eine Bucht der Insel Domuz, siehe Karte.

Herbsttörn 2005 - Montag

Montag

Es gibt dort Poller am Strand, um die Heckleine festmachen zu können. Auch eine große Müllkiste war aufgestellt. Ähnlich wie in den schwedischen Schären. Einen Jungen ,der von seinem kleinen Motorboot aus Kuchen verkauft, wird man in Skandinavien nicht finden.

Von dort fuhren wir am Dienstag bei wenig Wind, aber mit Segeln nach Fethiye.

Herbsttörn 2005 - Dienstag

Dienstag

Wie man auf der Karte sieht, hatten wir damit die Drachenbucht oder auch Fethiye Limani noch nicht verlassen. Man kann in dieser Bucht allein schon einen Urlaub verbringen, so viele Ankerplätze gibt es. Nach Handbuch sind es ca.14 .

Fethiye hieß im Altertum Telmessos und war eine lykische Siedlung. Die eigenständige Kultur der Lykier geht auf das zweite vorchristliche Jahrtausend zurück. Bekanntestes Zeugnis sind die typischen Felsengräber, die hoch oben in die Bergwände gehauen wurden und mit prächtigen ionischen Tempelfassaden geschmückt wurden. Der Grund, warum die Lykier ihre Toten in luftiger Höhe bestatteten, lag in dem Glauben, dass Vogeldämonen die Verstorbenen in das Land zwischen den Menschen und den Göttern bringen. Auch in den Bergen bei Fethiye gibt es so ein Grab. Es hat das Erdbeben überstanden, das die Stadt 1957 sonst fast ganz zerstörte.

In der Einfahrt zur Bucht verlor Günther einen Aldi-Schlappen. Es gab kein "Mann über Bord" Manöver. Wer segelt auch schon mit Schlappen. Wolfgang besorgte uns dann den Wagen der armen Hildemie – einer Urkölnerin mit Ihrem Mann, die dort lebt und Freunde von Gells sind. Über den Kulturschock in der Stadt kann ich nichts berichten, denn ich blieb an Bord. Nur soviel von mir: das zulässige Gesamtgewicht des Geländewagens haben meine Mitstreiter mit ihren Einkäufen voll ausgenutzt.

Der Mittwoch führte uns bei schwachen Winden nach Ölü Deniz.

Herbsttörn 2005 - Mittwoch

Mittwoch

Der schöne Strand von Ölü Deniz (Totes Meer) hat sich zu einer der Hauptattraktionen der Region entwickelt. Die Lagune mit ihrem türkisblauen Wasser wird von einem pinien-gesäumten Strand eingefaßt, der Eintritt kostet. Seit 1983 ist der See für Yachten aus Gründen des Umweltschutzes gesperrt. Nur Tret- und Ruderboote sind erlaubt. Den Namen "Totes Meer" schildert folgende Legende: Ein Fischer und sein Sohn gerieten an der Küste in ein Unwetter und in Streit. Sie konnten sich nicht einigen, wo der Gefahr am ehesten zu entrinnen war. Der Vater war für die offene See, der Sohn wollte lieber zwischen den schützenden Riffen bleiben. Voller Ungeduld entriß der Vater dem Sohn das Steuer, der dadurch über Bord ging und in den Wellen verschwand. Das Schiff schoß durch eine Meerenge in eine stille, paradiesische Bucht: Ölü Deniz. Angeblich erinnert die Form des Felsens bei der Lagune an das Haupt des ertrunkenen Sohnes.

Mit unserem Tagesgast Anne war es ein schöner sonniger Segeltag. Kurz gesagt: Damenwetter. Obwohl es für Anne auch etwas mehr Wind hätte geben dürfen. Man merkt doch, dass Wolfgang früher ein Segelboot hatte. Wolfgang ruderte seine Anne dann an den Strand, wo sie von Ihrer Freundin erwartet wurde. Unsere 3 Boote lagen vor dem Sandstrand, den Bug zur See nach Süden. Als Wolfgang zurückkam, war es für die Suche nach einem besseren Liegeplatz schon zu spät. Besonders auch deshalb, weil die 494 nur über 40 m Ankerkette verfügte. Also beobachteten wir weiter die Gleitschirmflieger, die in großer Zahl bis nach Sonnenuntergang am Strand landeten.

Gleich neben der Bucht geht es steil hinauf bis auf 1900 m Höhe, und dort oben muss ein Nest gewesen sein.

Die Entscheidung, vor dem Strand liegen zu bleiben, war im Nachhinein nicht so gut. Der thermische Wind drehte bald, und so lagen wir quer zur Dünung, die gleichmäßig von Süden heran rollte. Also rollte auch das Schiff zum Magenerweichen. Aber alle blieben hart. Keiner wechselte die Farbe. Es war nur etwas unruhig, und die Ankerwache hatte eigentlich nicht viel zu tun. Es war eben unsere Nacht im Shaker. Das Geschirr im Schapp und auf dem schon gedeckten Frühstückstisch ersetzte die Eiswürfel. Der Krach war perfekt.

Eigentlich wollten wir nach Kas und zu den vorgelagerten griechischen Inseln, aber davor lag eben Kalkan.

Herbsttörn 2005 - Donnerstag

Donnerstag

Kalkan ist eine alte griechische Siedlung an der sogenannten "Pilgerstraße" und hieß früher Kalamaki. Zwischen unserem Ankerplatz und dem Zielhafen ist eine Flussmündung, die man von See aus in dem Meilen langen Sandstrand fast nicht ausmachen kann. In der Nähe des nördlichen Endes liegt Xanthos, die Hauptstadt Lykiens und am südlichen Ende unter Sanddünen Patara, ein wichtiger Hafen der Lykier. Nun dachten wir vielleicht von Kalkan aus diese Kulturdenkmäler zu ergründen. Wir waren das erste Schiff im kleinen Hafen und bekamen vom Hafenmeister einen Platz zugewiesen. Es war heiß und windstill. Bald darauf kam Jojo herein, aber etwas langsam und ziellos. Sein Motor lief zwar, aber eine antreibende Wirkung war nicht festzustellen. So lagen sie mitten im Hafen. Günther versuchte sich im Seilwurf. Der Versuch endete mit einer harten Landung auf dem Vorschiff. Die Reling war glatt, und der Schwung für die schwere Leine zu gering, aber für den Werfer zu groß. Gott sei dank gab es nur ein paar Abschürfungen und Prellungen. Wir haben ja unsere Erfahrungen. Jojo ging dann - es war ja warm - baden, um nach dem Propeller zu fahnden. Er war an Ort und Stelle. Also untersuchten wir die Maschine. Der Wellenflansch des Getriebes hatte keine Verbindung mehr mit demselben. Das Öl war in der Bilge. Ein Teil des Bolzens, der einmal alles zusammen gehalten hatte, ertasteten wir im Flansch. Mooring wollte Jojo erst eine falsche Fahrweise unterstellen, musste dann aber einsehen, dass dies beim besten Wille nicht an der Fahrweise gelegen haben konnte. Wir mussten auch zugestehen, dass dieser Bolzen in keinem Wartungsprogramm vorkommt. Jedenfalls waren die Techniker in drei Stunden vor Ort, demontierten das Getriebe und versprachen um 10.00 Uhr am andern Tag wieder da zu sein. So mussten die kulturellen Erkundungen warten, bzw. bleiben Wolfgang und seinen Reiseführern überlassen.

Am nächsten Tag kamen die Monteure tatsächlich, wie versprochen, mit dem Getriebe. Den gebrochenen VA-Bolzen hatten sie durch einen gehärteten Stahlbolzen ersetzt. Gegen Mittag konnten wir wieder auslaufen. So segelten und motorten wir wieder zurück, da Starkwind aus Nord angesagt war. Wir steuerten den eigentlich für die Shakernacht ins Auge gefassten Ankerplatz hinter der Insel Gemiler Adasi an, keine Meile von Ölü Deniz entfernt. Um die Insel, die durch einen 200m breiten, tiefen Kanal vom Festland getrennt ist, gibt es viele hübsche Ankermöglichkeiten.

Die Insel selbst ist mit Ruinen einer mittelalterlichen Siedlung und byzantinischen Kirche übersät.

Herbsttörn 2005 - Freitag

Freitag

Gleich kamen zwei Motorboote vom Strand, die unsere Leinen an Land ausbrachten. Sie wollten uns dafür in ihr Restaurant bringen. Wir hatten ja unser Vorräte und revanchierten uns mit 5 € und ein paar Dosen Effes. Die Dosen haben den Sonnenuntergang trotz Ramadan nicht erlebt, und die Stimmung im Motorboot war prächtig. Danach wurden wir noch von Gemüse und Obstverkäufern angelaufen. Auch sollten wir Crêpes kaufen. Wir brauchten eigentlich auch kein frisches Brot zum Frühstück - es gibt ja welches zum Aufbacken - aber so hatten wir, nach Angabe der Uhrzeit für die Lieferung am nächsten Morgen, Ruhe. Zum Schluss wurden wir noch vor Nordwind 8 Bft gewarnt. Der Hang hinter uns war vielleicht 50 m hoch und lag genau in Nord. Wir brachten noch eine zweite Leine aus und machten das Ankerlicht an. Der Sonnenuntergang war malerisch, genauso wie die alte Ruinenstadt auf Gemiler.

Die Nacht war windlos, wie auch unsere heimatlichen Internetspäher vorhergesagt hatten, nur Wolken hingen über den Bergen. Wir segelten Richtung Göcek.

Herbsttörn 2005 - Samstag

Samstag

Erst gab es fast keinen Wind, aber so gegen 15.00 Uhr kam ein steifer Nord-Nordwest auf. Wir segelten hoch am Wind, schneller als wir motoren konnten.

Die Homeric wollte in die Bauernbucht, meldete sich dann aber aus der Manastir Koyu. Wir segelten fast bis zum Steg. Jojo wurde danach auf die Landseite dirigiert. Es kachelte ganz nett, aber wir lagen ganz ruhig. Unsere Köche hatten mit dem schönen Stegplatz so ihr Problem. Der Steg führte sozusagen direkt zur Kasse, nämlich dem Restaurant Wallbay. Es bestand aus Fachwerkhäusern ohne Wände, nach Norden schützte eine Plane vor dem Sturm, und an der Wasserseite spritzten einem die Wellen die Schuhe nass. Die Küche, wo man seine Bestellung nach eingehender Betrachtung der Zutaten aufgab, bestand aus in die Natur gebauten Backöfen, die mit Holz aus dem Wald ringsum befeuert wurden. Ein Haus um die Öfen war wohl überflüssig. Nur das Geschirr wurde in einem richtigen Haus gespült, und auch die Toiletten hatten Tür und Dach.

Der Strom kam von einem einsamen, alten Dieselgenerator etwas abseits. Alles war mit gepflasterten Wegen verbunden. Ein riesiger Kamin spendete den Gästen Wärme und dem Wald einen Funkenregen.

Hoffentlich kommt die Türkei nicht so schnell in die EU, denn in dieser romantischen Idylle passte nichts in irgendeine idiotische EU-Norm oder Vorschrift.

In der Saison ist dieser Ort überlaufen von Bootsfahrern, nach Auskunft unseres luxenburgischen Stegnachbarn. Jetzt waren wir vielleicht 25 Gäste.

Am Sonntag segelten wir bei viel Wind los, badeten bei Flaute, dinierten bei Stille und segelten dann ganz langsam bei einem Hauch wieder los, um dann kurz vorm Hafen die Segel bei 25 kn Wind wieder zu bergen.

Ich schrieb gerade "dinierten". Es gab die Lammkottelets etc., die unserer Liegegebühr am Vorabend (dem Restaurantbesuch) in den Kühlschrank weichen mussten. Beim Anlegen im Hafen wurden wir von einem Schlauchboot und einem Mann, der an Bord gebracht wurde, unterstützt. Das Auschecken dauerte keine Stunde. Alles war durchorganisiert. Bis jetzt die beste Basis von Mooring, die wir kennen. Gratulation an die Basisleiterin.

Herbsttörn 2005 - Sonntag

Sonntag

Auch der Abreisetag war durch Ihre Hilfe in nur einer Viertelstunde organisiert. Wir machten eine Bootstour, Ausgangspunkt war Dalyan.

Am Rande eines Schilflabyrinths, das sich zwischen dem 65 qkm großen Köycegiz-See östlich von Maramaris und dem Meer erstreckt, liegt die antike Stadt Kaunos.

Einst war es eine blühende Hafenstadt, die vom Handel mit Sklaven, Salz, Früchten und Harz lebte. Später verlandete der Hafen und die Malaria breitete sich aus, sodaß die Bewohner die Stadt verließen. In Dalyan ließen wir auch den Tag in einem Restaurant mit Blick auf die fürstlichen Felsengräber in der gegenüberliegenden Steilwand ausklingen.

Navigiert haben wir mit unseren GPS-Geräten und den zugehörigen elektronischen Karten. Ein nicht ganz billiger Komfort. Aber es ist sicherer mit dem eigenen bekannten Gerät zu arbeiten, als sich immer auf neue unbekannte Geräte einstellen zu müssen. Mein Co-Skipper Günther würde am liebsten wie früher nur mit Logge, Lot und Peilkompaß arbeiten. Ein Sextant dürfte auch gerne benutzt werden, samt aller Tafeln etc. Aber die Bequemlichkeit oder auch der Fortschritt siegt dann doch.

Meilen haben wir diesmal nicht angehäuft, aber dafür sind wir auch bei wenig Wind gesegelt.

Vielen Dank an unsere Skipper Marcus, Jojo und Wolfgang als Organisatoren dieses Törns.

 

Die Crew von Victoria II:
Wolfgang Gell, Wilfried Schmitz, Günther Rauh ,Wolfgang Gloeckner

 

Die Crew von Blue Monkey :
Andreas Banai, Josef Hoffmann, Franz Höfinghoff, Hans-Jürgen Lehmann

 

 

Text: Dr. Marcus Schüler
Touristische Ergänzungen und Bilder: Wolfgang Gloeckner