Die „Grotte“ des CfWP

Der Bootskeller des CfWP, liebevoll „Grotte“ genannt, wird aktuell im größeren Stil saniert. Anlass mal ein wenig in die Geschichte dieses einmaligen Bootskellers zu blicken.

Wir verdanken unseren Keller der Bierbrauerei. Das Lagern von Bier verlangte kühles Klima. Das war im Sommer eines der größten Probleme für die Brauer. Bevor die Fa. Linde 1874 elektrische Kühlmaschinen erfand  benötigten die Brauer möglichst tief in die Erde reichende Keller und kühlten zusätzlich mit natürlichem Wintereis.

Im Jahre 1845 wurde in Zündorf die Immendorfsche Landbrauerei gegründet. An mehreren Stellen baute die Brauerei hier mehrere, tausende Quadratmeter umfassende Keller, unter anderen diesen Keller in der Rosenau. Die Ziegel dafür stellten die Immendorfs in der eigenen, in der heutigen Clemensgasse gelegenen ehemaligen Ziegelbrennerei her. Die Deckenbogen wurden von 100 Italienern, die die Immendorfs eingestellt hatten, gemauert.

Brauerei Immendorf
Inserat, Kölnische Zeitung v. 28.4.1847
1847 findet sich erstmals in der Kölnischen Zeitung ein Inserat des Niederzündorfer Gastwirts und Brauers Jacob Immendorf (1822-1887). Der Gutsbesitzer hatte ein stattliches Gebäude Ecke Gütergasse und Leinpfad erworben, das von der Kaufmannsfamilie Boullé gebaut worden war – aus dem Haus Boullé wurde nun die Villa Immendorf. Hier gründete Immendorf auch gegenüber der Klosterkapelle seine Brauerei. 1866 entstand seinem Haus gegenüber ein Bier- und Eiskeller. Das Unternehmen expandierte in den folgenden Jahrzehnten östlich der Hauptstraße. Auf einer Fläche zwischen heute Westfeldgasse und Schmittgasse[1] entstanden 1874 zunächst ein zweiter Bier- und Eiskeller, 1879 eine Mälzerei, im Winter 1884 eine dampfgetriebene Eismaschine.

Nach dem Tod von Jacob Immendorf führte zunächst seine Witwe Adelheid, geb. Früh (1829-1908)[2], das Unternehmen fort. 1905 übernahm der Sohn Peter Immendorf die Leitung und ließ die Firma erstmals im Handelsregister eintragen[3]. Die Brauerei firmierte drei Jahre später als Hubertus-Brauerei Peter Immendorf. Bereits wenige Jahre später trat 1913 der Enkel des Gründers, Jacob Immendorf (1885-1966), in das Unternehmen ein, er hatte bereits 1911 die Brauertochter Netty Früh geheiratet. Jacob belebte 1918 durch die Gründung der Firma Sternbrauerei Jacob Immendorf Wahn, auch kurzzeitig wieder den Wahner Brau-Standort. 1922 fusionierte die Hubertus-Brauerei mit zwei anderen Unternehmen, hieraus entstand die Kölner Union Brauerei. 1938 wechselte der Namen zurück zu Hubertus Brauerei. Jacob Immendorf blieb bis zu seinem Tod 1966 Mehrheitseigner der Brauerei, die später von der Küppers Brauerei aufgekauft wurde. In den achziger Jahren wurde die Produktion von Hubertus Pils zugunsten von Sion Kölsch eingestellt.

Doch seit der Fusion von 1922 braute das Unternehmen nur noch in Müngersdorf, die Zündorfer Produktionsstätte war hingegen bereits um 1914 stillgelegt worden. Die Produktionsgebäude sowie der Schornstein der Brauerei, jahrzehnte lang ein Wahrzeichen Zündorfs, wurden im August 1933 abgebrochen[4]. An sie erinnern nur noch die Straße Am Alten Brauhaus, in der unter einem Gebäude noch die alten Bierkeller vorhanden sind. Zudem gibt es ein tradtionelles, bereits um 1880 errichtetes Gasthaus in der Hauptstraße 155, das heute unter dem Namen „Hubertusklause“ geführt wird.

Quellen, Literatur, Links
Boley, Karl H.: 1000 Jahre Zündorf am Rhein. Köln 2008.
Unternehmensgeschichte der Brauerei Jacob Immendorf (Link)

↑ Heute erinnert an dieser Stelle die Straße Am Alten Brauhaus an das Unternehmen.
↑ Das Ehepaar wurde auf dem Friedhof Niederzündorf beerdigt. Den Grabstein schmückt ein großer Engel.
↑ vgl. Kölnische Zeitung v. 16.5.1905
↑ vgl. General-Anzeiger v. 5.8.1933.

Und nun zu uns: Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war der Club angesiedelt im ehemaligen Lindenhof in Porz. In der Festschrift zum 50jährigen Jubiläum des Clubs 1976 heißt es: „Wie aber sollte der Ruderbetrieb wieder aufgebaut werden? Der bisherige Bootskeller im Lindenhof musste geräumt werden. Auf der Suche nach einer neuen Bleibe wurden Mitglieder des Clubs auf einen brachliegenden ehemaligen Brauereikeller aufmerksam, der  sich zwar in völlig verwahrlostem Zustand befand und zur Hälfte schon verfallen war, für unsere Zwecke jedoch äußerst brauchbar erschien. (…) Das Gros der Arbeiten an den Bootskellern fiel in die Jahre 1946 – 1948.  500 m³ Erde wurde in Eigenleistung bewegt“. Aus dem Abraum wurde der Weg zum Rudersteg gebaut.

Im Bau, schön zu sehen ist die Konstruktion der Gewölbe
Die Grotte vor dem Umbau
Mit dem Schutt aus den Gewölbekellern der Grotte wird Anfang der 50er Jahre die Rampe gebaut , Foto Wolfgang Breidüffel
Die ersten Sanierungsschritte im vorderen Teil des Kellers.
So leer wird man die Grotte so schnell nicht wieder sehen.
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Quellen:
Wikipedia „Brauerei Immendorf“
Der Männi. Festausgabe aus Anlaß des 50-jährigen Bestehens des Club für Wassersport Porz e.V.
Nadine Carstens: Verborgene Schätze. Unterwegs in vergessenen Gewölben. In: Kölner Stadt-Anzeiger vom 14.11.2011
www.bier-lexikon.lauftext.de/evolution-2.htm